Unsere Kirche

Ein Rundgang durch die evangelische Kirche Peter-und-Paul in Bad Königshofen 


Peter-und-Paul-Kirche
Bildrechte L.Mertten

Mit über 125 Jahren ist die evangelische Kirche in Bad Königshofen zwar keine ganz junge Dame mehr – neben der altehrwürdigen, gotischen Stadtpfarrkirche ist sie jedoch noch ein junges Mädchen. Vielleicht hat ihr Bauherr, Valentin Trott, ihr damals, im Jahr 1898, einen neugotischen Ausdruck gegeben, damit sich der Glanz der Großen in der kleinen Kirche widerspiegelt. 

Auch wenn es in Bad Königshofen nur noch die wenigsten wissen: unsere Kirche hat einen Namen! Da sie am 29. Juni 1898 von Konsistorialrat Dr. Schick eingeweiht wurde, trägt sie den Namen der großen Apostel, derer man an diesem Tage gedenkt: Peter (Petrus) und Paul (Paulus). Seit den 70er Jahren wird deswegen auch am Sonntag nach Peter und Paul das Gemeindefest gefeiert, bei dem die alte Dame immer im Mittelpunkt, nämlich mitten im idyllischen Kirchpark steht.

Wer die neugotischen Anklänge unserer Kirche außen gesehen hat, der mag zunächst verblüfft sein, wenn er ihr Inneres betritt. Das ist klarer und kühler als man es erwartet hätte. Schwere, klare Muschelkalkelemente geben ihr etwas sehr Bodenständiges. 

Gedacht war’s einmal anders: ursprünglich war das Kircheninnere durch eine üppige Jugendstilmalerei ausgekleidet, warm und

anheimelnd. Das große Himmelfahrts-Bild im Nazarener-Stil, das heute an der Nordwand hängt, war einmal das ursprüngliche Altarbild – sonst ist von der ersten Gestalt der Kirche nicht viel erhalten. Kanzel und Altar wurden in den späten sechziger, Anfang der siebziger Jahre durch das heutige Ensemble ersetzt. Das hat theologische Tiefe: indem Altar und Kanzel direkt hintereinander platziert sind, wird schon auf den ersten Blick das enge Band zwischen Predigt und Abendmahlsfeier im guten lutherischen Sinne sichtbar.  

Kirche_1898
Bildrechte Pfarramt

Auch das moderne Kanzelrelief regt zum Nachdenken an: Wie im berühmten Bodenbild der Kathedrale von Chartre führt ein Weg den Betrachter der Mitte zu. Nicht geradlinig, sondern über Ecken und Kanten, nicht im Hau-Ruckverfahren, sondern langsam und stetig. Und jeder, der sich auf diesen Weg macht, bleibt auf die Mitte bezogen – gleich ob er nah dran oder weiter entfernt steht. Und wenn das Sonnenlicht zum morgendlichen Gottesdienst seitlich auf die Spirale scheint, dann wird durch das Spiel von Licht und Schatten ein Kreuz erkennbar. 

 

Wer seinen Blick dann nach oben wandern lässt, erkennt im steinernen Türsturz der Sakristeitür das Relief eines an die Romanik angelehnten Christus. Man sieht Christus in der Haltung des Gekreuzigten, aber mit erhobenem Haupt – Tod und Auferstehung, das Geheimnis von Karfreitag und Ostern sind in einer Darstellung zusammengefasst. 

Wer noch höher schaut, findet ganz oben in der Apsis das runde Turmfenster – das tatsächlich ein Fenster zum Turm ist, der direkt dahinter liegt. Tageslicht scheint leider nie durch das bunte Glas, das 1987 in die Kirche kam, nachdem das Turmfenster zuvor jahrelang zugemauert war. Wenn das Fenster beleuchtet ist, dann fallen zwei Symbole besonders ins Auge: der Regenbogen, der nach der Sintflut das biblische Zeichen für den Bund Gottes mit allen Menschen ist. Das zweite Symbol ist das Zelt. Es erinnert an die Stiftshütte, das Zelt Gottes, von dem ebenfalls im Alten Testament im 2. Buch Mose erzählt wird. Mag sein, der Künstler hat sich einmal etwas anderes gedacht, aber für ein Fenster, hinter dem wenig Licht, aber viel Schatten liegt, sind Regenbogen und Zelt doch Mut machende Symbole: der Regenbogen als lichtes Zeichen der Gegenwart Gottes „so weit der Himmel ist“. Und wer ein Zelt baut, der bleibt schließlich nicht an einem Ort, sondern ist beweglich und geht die Wege mit, die uns unser Leben führt. Ein trostvoller Ausblick durch ein Kirchenfenster. 

Die Decke unserer Kirche hat ihr heutiges Aussehen bei der Renovierung der Kirche 1969/70 erhalten. Sie bringt einen unübersehbaren Farbklecks in unseren doch sonst eher nüchternen Gottesdienstraum, wenngleich sie auf unterschiedliche Resonanz trifft: man liebt sie oder eben nicht. 

Noch ein Kreuz fällt in unserer Kirche ins Auge: das große schlichte Holzkreuz an der Südwand ist eine Spende der Kriegsheimkehrer des 2. Weltkrieges, die durch das Kreuz ihren Dank für die Bewahrung und die wohlbehaltene Rückkehr aus den Schrecken des Krieges zum Ausdruck bringen wollten. 

Auf der Empore steht unsere kleine, feine Orgel. Von außen steht sie noch fast so da wie 1898, als die Firma Steinmeyer das erste Instrument für die neuerrichtete Kirche baute. 1977 aber ist die neue Orgel von Wolfgang Hey und Kirchenmusikdirektor Schubert konzipiert und durch die Orgelbaufirma Hey in das ursprüngliche neugotische Gehäuse aus der Jahrhundertwende eingebaut worden. Sie verfügt über zwei Manuale, 15 Register und ein Tremolo, ihr Klang ist recht barock und hell, wie es zu ihrer Zeit üblich war. Über viele Jahre hat sie nicht nur den Gemeindegesang getragen, sondern auch den Orgelschülern der Berufsfachschule für Musik als Übungsinstrument gedient. Kurz: unsere kleine Orgel hat schon viele Spielstunden auf dem Buckel, aber sie begleitet immer noch treu unsere Gottesdienste und erweist sich auch bei Orgelkonzerten als „kleine Königin“ der Instrumente.

Klein ist sie, unsere Pfarrkirche, aber geliebt. Und wie jedes Gotteshaus entfaltet sie ihre wahre Größe erst, wenn sich die lebendigen Bausteine der Kirche zum Gottesdienst in ihr zum Lob Gottes versammeln. 

Soli Deo gloria!